Das Elektroauto wird zur Powerbank - Wie wir von der Energiewende profitieren können
Ein Hauptproblem unserer Energiewende besteht darin, dass Stromangebot und Stromnachfrage immer weiter auseinanderklaffen. An sonnen- und windreichen Tagen besteht häufig ein Überangebot, was zu teils negativen Marktpreisen und zum Abregeln von Kraftwerkskapazitäten führt. Bei Dunkelflaute reicht das Angebot hingegen nicht aus, der Marktpreis schnellt in die Höhe, es muss extrem teurer Strom aus dem Ausland zugekauft werden. Zudem kommt der Hochspannungsleitungsausbau nicht schnell genug voran.
Abhilfe kann nur durch den kostspieligen Neubau von Gaskraftwerken und den Ausbau großer Speicherkapazitäten geschaffen werden. Als Speicher kann dabei auch die wachsende Flotte von Elektrofahrzeugen dienen. Jeder, der über ein E-Fahrzeug und eine Wallbox verfügt, kann somit zum Gelingen der Energiewende beitragen und sogar daran verdienen. Unser vorrangiges Ziel ist es, dadurch Strom für jedermann günstiger zu machen.
Voraussetzung für die Teilnahme an dieser Glättung des Energieangebots sind Smartmeter und entsprechende dynamische Stromtarife der Energieversorger. Smartmeter sind digitale, vernetzte Stromzähler, die den Stromverbrauch in 15-Minuten-Takten messen. Sie werden inzwischen schon von vielen Energieversorgern angeboten. Der Einbau von Smartmetern stockt indes noch. Erst rund 2 bis 5 % der deutschen Haushalte verfügen über Smartmeter. In Frankreich, Italien und Skandinavien liegt der Anteil bei über 90 %. Frankreich, Norwegen, die Niederlande u.a. sind daher auch Vorreiter im „bidirektionalen Laden“.
Wir wollen bürokratische Hürden abbauen und finanzielle Anreize schaffen, damit in kürzester Zeit der Smart-Meter-Rollout vorankommt. Zudem muss den Netzbetreibern untersagt werden, für den Einbau und den Betrieb von Smartmetern - wie bisher häufig gängige Praxis - unangemessen hohe Zusatzgebühren zu erheben.
Ebenso müssen die Elektrofahrzeuge für das bidirektionale Laden („Vehicle-to-Grid“) vom Hersteller zugelassen bzw. freigeschaltet werden. Dies ist bisher nur bei einem Teil der E-Autos der Fall. Hier kann eine verpflichtende Kennzeichnung von E-Autos „Für bidirektionales Laden ohne Garantie-Einschränkung zugelassen / nicht zugelassen“ in Frage kommen. Dann haben Verbraucher beim Kauf die Wahl für oder gegen diese Option.
Wallboxen für bidirektionales Laden sind bisher noch deutlich teurer als solche für Direktladen (in eine Richtung). Es wird jedoch erwartet, dass sich durch Markthochlauf und Skalierungseffekte diese Mehrkosten in den nächsten 5 Jahren deutlich reduzieren werden.
Laut einer umfassenden Studie des ADAC können sich durch die Verwendung eines E-Fahrzeuges als Zwischenspeicher und bidirektionales Laden jährliche Kosteneinsparungen von 150 bis 370 Euro pro Haushalt ergeben.
Manche Experten erwarten bei entsprechend variablen Marktpreisen eine noch höhere Kostenersparnis.
So kann der Absatz von Elektroautos ohne zusätzliche Kaufprämien angeregt und die Energiewende zu einer Win-win-Situation für die Gesellschaft und für jeden Einzelnen werden.
Deshalb fordern die Freien Demokraten von der Politik:
- Der flächendeckende Einbau von Smartmetern soll mittels einer breit angelegten Aufklärungskampagne gefördert werden.
- Gleichzeitig sollen die Entgelte für Einbau und Betrieb der Smartmeter vom Gesetzgeber gedeckelt werden.
- Für alle neu zugelassenen Elektrofahrzeuge wird eine verpflichtende Kennzeichnung eingeführt: „Für bidirektionales Laden ohne Garantie-Einschränkung zugelassen / nicht zugelassen“.
- Eine breit angelegte Aufklärungskampagne soll mittels Beispielrechnungen den Besitzern von Elektrofahrzeugen die finanziellen Vorzüge des Projekts „Das Elektroauto wird zur Powerbank“ erläutern.
- Um die Geschwindigkeit zur Nutzung von Smart-Metern wesentlich zu erhöhen, fordern wir einen freien Markt. Nutzer sollen eigenverantwortlich geeichte Smart-Meter erwerben und fachmännisch installieren dürfen.