Sexueller Missbrauch: Kirchen sollen zahlen

Vor knapp einem Jahr nahm der von Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger initiierte Runde Tisch „Sexueller Kindesmissbrauch“ seine Arbeit auf, nachdem eine Vielzahl von Missbrauchsfällen in kirchlichen Einrichtungen bekannt geworden waren. Bei der Sitzung am Mittwoch forderte Leutheusser-Schnarrenberger dazu auf, die Opfer angemessen zu entschädigen.

Ziel des Runden Tisches ist es, gemeinsam mit Vertretern der Kirchen, Schulen, Ländern und Kommunen über Vorfälle, Konsequenzen und Präventionsmaßnahmen zu sprechen. Am Mittwoch beriet die Arbeitsgruppe Recht über Leitlinien für Institutionen und über die Entschädigung der Opfer.

Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger, die dem Runden Tisch vorsitzt, sah in den Gesprächen eine „hervorragende Grundlage für die weitere Beratung“. Sie forderte von den Institutionen Entschädigungszahlungen als „Zeichen für die Anerkennung des unermesslichen Leidens“ der Betroffenen. Diese beinhalteten auch die Übernahme von Therapiekosten oder gezielte Beratungsangebote.

Wie die materiellen und immateriellen Hilfen für die Opfer organisiert und finanziert werden sollen, werde eine eigene Unterarbeitsgruppe ausloten, die noch im März zusammenkommen soll. „Ich hoffe, dass sich an der Erarbeitung dieses Konzeptes die Repräsentanten vieler Institutionen und Träger von Einrichtungen beteiligen werden“, sagte Leutheusser-Schnarrenberger. Sie warnte jedoch davor, die Diskussion auf finanzielle Leistungen zu verkürzen. „Genau so wichtig ist das ernsthafte Bemühen der betroffenen Institutionen, die Konsequenzen aus der Vergangenheit zu ziehen, damit künftigen Missbrauchsfällen wirksam vorgebeugt werden kann.“

Gemeinsam angemessene Lösungen finden

Die Deutsche Bischofskonferenz erklärte am Mittwoch, eigene Wege bei der Entschädigung der Opfer gehen zu wollen. Betroffene, die zum Zeitpunkt des Missbrauchs minderjährig waren, sollen von der Kirche mit bis zu 5.000 Euro entschädigt werden. Zudem sollen die Kosten für eine Psychotherapie oder Paarberatung übernommen und ein Präventionsfonds eingerichtet werden. Leutheusser-Schnarrenberger begrüßte die Pläne. Die Justizministerin rief die katholische Kirche aber erneut dazu auf, sich auch an einem gemeinsamen Fonds anderer von Missbrauch betroffenen Einrichtungen zu beteiligen. „Man kann das eine tun, sollte aber auch das Gemeinsame nicht lassen.“ Ziel sei es, gemeinsame Standards und eine Gesamtlösung für Missbrauchsopfer in kirchlichen und weltlichen Institutionen zu finden.

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