Sattelberger: FDP-Konzepte für Schulen in Corona-Zeiten

Von Thomas Sattelberger, MdB

Seit Corona über Deutschland hereingebrochen ist, dominiert das Thema Schule meine drei Sprecherrollen Bildung, Innovation und Forschung. Corona lehrt uns: Es führt zu einer schweren zweiten Krise, wenn Schulen in der Pandemie nur einbeinig analog aufgestellt sind. Denn dann ist Schluss mit ordentlichem Lernen und wir haben eine Chancen-Krise.

Ich trete deshalb seit Ende März vehement für die „Hybride Schule“ ein: sie soll nicht nur Präsenzunterricht meistern (inkl. Hygiene- und Abstandsdisziplin sowie digitalen Lernformaten). Sondern auch, wenn die Situation es erfordert: volldigitales Homeschooling, und zwar schüler- wie elternfreundlich und möglichst ohne Qualitätseinbußen.

Damit das klappt, ist Gehirnschmalz genau so nötig wie erhebliche Investitionen an den Schulen vor Ort. Ich habe dazu zwischen Frühjahr und Spätsommer zahlreiche Initiativen, Anträge und Positionspapiere verfasst. Drei Beispiele: Positionspapier „Lehren aus der Corona-Krise“, mit Matthias Fischbach, MdL: Sofortprogramm Bayern und Deutschland für die schulischen Sommerferien, Antrag Bildungsrepublik 2.0 – Für eine nachhaltige Gestaltung der gesamten Bildungskette.

Mit dem bildungspolitischen Sprecher unserer Landtagsfraktion, Matthias Fischbach, habe ich im Sommer an verschiedenen Orten in Bayern mit Verbänden und Redaktionen über unser Sofortprogramm gesprochen. Wer dazu und zu meinen Corona-Konzepten noch mehr lesen möchte, möge sich bei mir melden! Natürlich lässt sich das Konzept „Hybride Schule“ nicht von heute auf morgen idealiter umsetzen. Wir brauchen dafür Breitbandnetze und WLAN an den Schulen, genügend Endgeräte für finanziell schwächere Schüler, digitale Lernplattformen, Lehrerfortbildung für digitalen Unterricht sowie IT-Hausmeister, also geschultes Personal für die komplette Hard- und Software. Und es braucht den nötigen Rahmen: einen Digitalpakt 2.0, also zusätzliche Gelder vom Bund, ohne den die meisten Bundesländer so viel Innovation auf die Schnelle gar nicht finanzieren könnten. In der Krise kommt es auf Geschwindigkeit an.

Deshalb ist es kontraproduktiv, wenn der Staat Schulclouds und Lernplattformen langatmig selber entwickeln will, obwohl die EduTech-Privatwirtschaft teils bereits exzellente Angebote macht (auch für die Lehrerfortbildung) – und zwar datenschutzgesichert und auf hohem didaktischen Niveau. Ebenso kontraproduktiv ist, dass die Milliarden aus dem ersten Digitalpakt und die 500 Millionen Euro für digitale Endgeräte nur in Promillewerten an den Schulen ankommen, weil die Kultusbürokratien die Antragstellung maximal kompliziert aufgesetzt haben. Zudem verhindert die starre Verteilung nach Königsteiner Schlüssel (statt nach Bedarf), dass das Geld die wirklich Bedürftigen erreicht.

Was hat der Bildungsgipfel am Montag dieser Woche gebracht – mit 14 Kultusministern, Bundesbildungsministerin Karliczek, SPD-Chefin Esken und der Bundeskanzlerin? Das einzig wirklich konkrete Ergebnis war der Beschluss einer Zwischenfinanzierung: für etwas, was in der von Angela Merkel im Jahr 2008 ausgerufenen „Bildungsrepublik“ selbstverständlich sein sollte: Dienst-Laptops für Lehrer!

Es macht fassungslos, dass Deutschland für solche Entscheidungen einen Gipfel im Kanzleramt braucht. Den Gipfelteilnehmern fehlt nicht nur jedes Gespür für die nötige Geschwindigkeit in einer Krise, sondern auch der Wille, ein weiteres verlorenes Schuljahr zu verhindern. Corona legt schonungslos offen, wie träge und rückständig das deutsche Bildungssystem ist – erst recht im internationalen Vergleich. Statt mit Kosmetik zu kleckern, müssten Bund und Länder jetzt klotzen. Denn nur dann wird es Schulen gelingen, digitalen Distanzunterricht genau so zu meistern wie Präsenzunterricht im Klassenzimmer.


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