Lechte: Internationales Impfdebakel – COVAX endlich ernst nehmen

Wer in ärmeren Ländern der Welt lebt, hat in vielen Fällen erst frühestens Anfang 2022 die Aussicht auf eine Corona-Impfung. „Leider kann in diesen Ländern derzeit noch nicht einmal für einen kleinen Teil der Bevölkerung gewährleistet werden, eine Impfung zu erhalten. Das ist mehr als bedauerlich: Der derzeit effektivste Schutz vor COVID-19 bleibt ärmeren Menschen damit de facto verwehrt“, so die Kritik des Unterausschussvorsitzenden für Vereinte Nationen, internationale Organisationen und Globalisierung im Deutschen Bundestag, Ulrich Lechte.

Um der Problematik der ungerechten Impfstoffverteilung entgegenzuwirken, haben sich die Weltgesundheitsorganisation (WHO), die Globale Allianz für Impfstoffe und Immunisierung (Gavi) und die Koalition für Innovationen in der Epidemievorbeugung (CEPI) letztes Jahr im Sommer in der Covid-19 Vaccines Global Access (COVAX) zusammengeschlossen. Ziel ist es, einen gleichmäßigen und gerechten Zugang zu COVID-19-Impfstoffen zu gewährleisten. Insgesamt sollen 20 Prozent der am stärksten gefährdeten Bevölkerungsteile bis 2021 geimpft werden. Das Vorgehen wird dabei von 165 Staaten unterstützt. „Die COVAX-Allianz ist ein multilateraler Erfolg. Ihre Umsetzung weist jedoch eklatante Schwächen auf. Deutschland und Europa geben kein gutes Vorbild ab: Allzu oft ist man mit sich selbst beschäftigt, denkt nicht global und langfristig“, so Lechte.

Während in Deutschland und Europa zunächst über die Impfstoffverteilung und Auslieferung mit den Pharmakonzernen diskutiert wird, stellt sich die Frage über eine breit ausgelegte Impfkampagne in vielen Teilen der Welt noch gar nicht. „Das Impfdebakel zeigt sich damit nicht nur national und europäisch, sondern vor allem international. Die globale Impfstoffverteilung ist der essentielle Bestandteil der internationalen Pandemiebekämpfung: Deutschland, Europa und die internationale Gemeinschaft müssen an einem Strang ziehen“, so der stellvertretende FDP-Bayern-Chef weiter. „Viren kennen keine Grenzen und der Schutz von Risikogruppen und dem Gesundheitspersonal sollte in allen schwer betroffenen Ländern höchste Priorität haben. Umso wichtiger ist es, die COVAX-Allianz und deren hehre Ziele endlich mit Leben zu füllen. Wir müssen zu einer faireren und gerechteren Impfstoffverteilung kommen.“

Darüber hinaus darf das immer häufigere, mittlerweile weltweite Auftreten von Mutationen nicht vernachlässigt werden. Die unterschiedlichen Mutationen können sich zu einer globalen Gefahr entwickeln, sollte nicht rechtzeitig flächendeckend geimpft werden. „Eine zügige Impfung in den europäischen Staaten ist zwar wünschenswert, das Ziel einer langfristigen globalen Strategie zur Eindämmung des COVID-19-Virus wird aber verfehlt, wenn wir die Ausbreitung der Mutationen weiterhin zulassen. Vielmehr müssen wir jetzt größte Anstrengungen bei der Impfstoffversorgung unternehmen, um die Pandemie weltweit einzudämmen“, resümiert Lechte.


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