Köhler: Effizienter Klimaschutz durch globalen Emissionshandel

Die in der vergangenen Woche erschienene Studie des Wuppertal-Instituts sollte eigentlich zeigen, dass Deutschland bis 2035 klimaneutral werden kann. Durch die Annahme vollkommen unrealistischer Prämissen, so Dr. Lukas Köhler, klimapolitischer Sprecher der Fraktion der Freien Demokraten im Bundestag, zeige sie aber letztlich das genaue Gegenteil. Dies sei allerdings kein Grund, das ambitionierte 1,5-Grad-Ziel vorschnell aufzugeben. Denn wie in der Studie lediglich am Rande erwähnt wird, ist deutsche Klimaneutralität bis 2035 ein politisches Ziel und keine naturwissenschaftliche Notwendigkeit. Der Weltklimarat IPCC spricht lediglich von globaler Klimaneutralität bis etwa 2070, um das 1,5-Grad-Ziel mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit zu erreichen.

Köhler stellt dazu fest, dass an vielen Stellen der Studie deutlich werde, dass selbst den Autoren die Vorstellungskraft dafür fehle, wie sich ein derart ambitioniertes Ziel erreichen lasse. Ob es sinnvoll sei, auf dieser Grundlage Erwartungen zu erwecken, die nur enttäuscht werden können, müsse jeder Wissenschaftler für sich selbst beantworten. Die Szenarien für Klimaneutralität im Jahr 2050 auf das Jahr 2035 umzurechnen, so Köhler, sei kein ernstzunehmender wissenschaftlicher Debattenbeitrag. Hinzu komme, dass ausgerechnet in einer solchen Studie die Verfügbarkeit von Negativemissionstechnologien als zu unsicher eingestuft wird. Die komplette wissenschaftliche Diskussion über derartige Technologien wird in der Studie nicht erwähnt – abgesehen von einem einzigen Artikel aus dem Jahr 2015. Die weiteren genannten Quellen befassen sich entgegen der öffentlichen Darstellung nicht umfassend mit den technischen und ökonomischen Fragen derartiger Technologien.

Ebenso unseriös sei die Wahl der gewählten Voraussetzungen, unter denen dieses Ziel erreicht werden könne: deutlicher weniger Autoverkehr bei deutlichen leichteren Fahrzeugen, flächendeckende innerstädtische Tempolimits oder erheblich kleinere Wohnungen. Ein nationales deutsches CO2-Budget sei zudem innerhalb der EU-Klimaschutz-Architektur grundsätzlich sinnlos, da diese in weiten Teilen auf grenzüberschreitende Kosteneffizienz ausgerichtet ist. Als „vollkommen absurd“ bezeichnet Köhler die Ablehnung eines globalen Emissionshandels. Sie zeige, dass die Autoren den Ländern des globalen Südens keine vernünftigen ökonomischen Entscheidungen zutrauen.

Auch außerhalb der Freien Demokraten ist die Studie auf scharfe Kritik gestoßen. „Bedauerlicherweise fehlt es den beschriebenen Eckpunkten an nachvollziehbaren Machbarkeitspfaden“, zitiert FAZ.net den Vorsitzende der Deutschen Energieagentur Andreas Kuhlmann, weshalb zu befürchten sei, dass die Forderungen dem „erforderlichen konkreten Diskurs“ eher im Wege stehen. Auch der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung Ottmar Edenhofer lehnt die Ergebnisse der Studie ab und setzt sich wie die FDP-Fraktion für einen sektorübergreifenden europäischen Emissionshandel ein. „Die Einführung solcher Instrumente ist wichtiger als der Streit, ob Deutschland im Alleingang bis 2035 treibhausgasneutral werden kann“, sagte er der F.A.Z.


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