Kinderschutz: Der Rechtsstaat ist in der Pflicht

In einem Gastkommentar für die Bild am Sonntag äußert sich Sabine Leutheusser-Schnarrenberger zum Fall des 2006 ermordeten Kevin, dessen Amtsvormund nun vor Gericht steht. Die Justizministerin stellt klar: Das Schicksal von Kevin darf sich nicht wiederholen.

Der Artikel im Wortlaut:

Dreieinhalb Jahre nach Kevins Tod müssen auch gesetzgeberische Konsequenzen gezogen werden. Kinder sind wehrlos gegen Gewalt und Vernachlässigung. Der Rechtsstaat ist in der Pflicht, wenn der Schutz der Familie versagt. Kevin hatte einen amtlichen Vormund, der nicht verhindert hat, dass Kevin grauenvoll misshandelt wurde. Er lag tot im Kühlschrank seines drogenabhängigen Ziehvaters. Die Strafrichter klären seit dieser Woche, ob der Vormund den Tod mit zu verantworten hat. Nebem den Vormund sitzt die Politik auf der Anklagebank – zu recht. Über 230 Kinder sollte Kevins Vormund betreuen – das sind acht Schulklassen gleichzeitig. Die Arbeitsbelastung vieler Amtsvormünder ist bis heute unerträglich, mit 120 Kindern und mehr. Kinder passen nicht zwischen zwei Aktendeckel. Gefahren lassen sich nicht vom Schreibtisch aus wittern. Wir brauchen den direkten Draht zwischen Vormund und Kindern. Sofort nach meinem Amtsantritt habe ich deshalb ein Gesetz zur Änderung des Vormundschaftsrechts auf den Weg gebracht. Ich will sicherstellen, dass jeder Vormund seine Schützlinge regelmäßig sieht. Deshalb muss im Gesetz festgeschrieben werden, dass ein Amtsvormund maximal 50 Kinder betreut. Nach Beteiligung der Länder wird demnächst das Bundeskabinett darüber Beschluss fassen. Das Schicksal von Kevin darf sich nicht wiederholen.

 

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