Causa Wirecard: Der Sumpf ist tief

Am 1. September war es schließlich soweit: Auch die Grünen stimmten neben den Freien Demokraten und der Linken für einen Untersuchungsausschuss des Bundestages in der Sache Wirecard. Die Liste der Betroffenen und zu Befragenden ist lang, noch längst sind nicht alle Schuldigen ausgemacht und vom ehemaligen Wirecard-Vorstand Jan Marsalek fehlt noch immer jede Spur. „Wir werden Licht in diese Sache bringen“, verspricht die stellvertretende FDP-Landesvorsitzende Katja Hessel.

Hessel, die dem Finanzausschuss des Deutschen Bundestages vorsitzt, verspricht sich durch den Untersuchungsausschuss ein zusätzliches Druckmittel, da man in den beiden bisherigen Sondersitzungen bei Weitem nicht alle Fragen habe klären können. Sie kritisierte den Bundesfinanzminister scharf. Olaf Scholz habe bewiesen, dass man viel reden könne und dabei wenig sagen, so Hessel. Doch auch der Chef der Bundesfinanzaufsichtsbehörde (BaFin) musste sich Kritik gefallen lassen: „Besonders bei Herrn Hufeld hatte ich den Eindruck, dass er trotz des immer wieder bekundeten Aufklärungswillens teilweise die gebotene Ernsthaftigkeit zur lückenlosen Aufklärung vermissen lässt. Bei vielen Antworten ist er mehr als vage geblieben.“

Die Täuschungen und Luftbuchungen von Wirecard, die Pleite eines DAX-Konzerns, das Versagen der Behörden, des Finanzministeriums und auch des Kanzleramts: All diese Punkte müssen lückenlos aufgeklärt werden. Der Fall darf nicht damit enden, dass sich Olaf Scholz und andere weiter gegenseitig den schwarzen Peter zuschieben und der Finanzstandort Deutschland ungestraft Schaden nimmt. Doch die Pleite der Aschheimer Wirecard AG berührt nicht nur Fragen der Finanzaufsicht.

Wer die Geschichte um den Skandal nur ansatzweise verstehen will, kommt an der Person Jan Marsalek nicht vorbei. Der ehemalige Vorstand wird per weltweitem Haftbefehl gesucht. „Ohne professionelle fremde Hilfe konnte ein derartig perfektes spurloses Untertauchen kaum gelingen. Das Verschwinden Marsaleks hat einen Hauch von Agententhriller“, beurteilt der stellvertretende Landesvorsitzende der FDP Bayern, Stephan Thomae, den Fall. Kontakte zum russischen Nachrichtendienst GRU und zum österreichischen Innenministerium, italienische Spionagesoftware und der plötzliche Tod des ehemaligen Asien-Mangers von Wirecard, Christopher Bauer, auf den Philipinnen – der Fall Marsalek wirft Rätsel auf. „Ist er ein mit allen Wassern gewaschener Agent, oder hat er sich buchstäblich verzockt und mit den falschen Leuten angelegt?“, fragt sich Stephan Thomae. Seine Analyse zum Fall Marsalek finden Sie hier.


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