12-Punkte-Paket: Digitalisierung an Schulen

Beschlossen auf dem virtuellen Landesparteitag am 5. Dezember 2020

Die Corona-Pandemie hat die Mängel hinsichtlich der Digitalisierung im bayerischen Schulsystem schonungslos aufgezeigt. Wie im Brennglas wurden bereits vorher vorhandene Schwächen noch besonders deutlich sichtbar. Mit den aufgezeigten Maßnahmen können an den Schulen die notwendigen Bedingungen geschaffen werden, damit die Digitalisierung im schulischen Bildungssystem gelingt.

  1. Die Digitalisierung der bayerischen Schulen muss intensiv und zügig vorangetrieben werden. Dabei geht es nicht um medientaugliche Schlagworte, sondern echte inhaltliche Weiterentwicklungen für die Schülerinnen und Schüler, Eltern sowie Lehrkräfte. Ziel ist das digital gestützte Lernen in allen Regionen Bayerns auf eine interaktive Ebene zu heben. Für uns Liberale ist aber klar,  dass die Persönlichkeit der Lehrkraft auch im digitalen Umfeld entscheidend ist,  damit Lehr-Lern-Prozesse gelingen und die Qualität der schulischen Abschlüsse beibehalten wird.
  2.  Die Digitalisierung darf sich zudem nicht nur auf den Ersatz klassischer  Einrichtungsgegenstände (wie Tafel durch Smartboard oder Overhead-Projektor  durch Dokukamera und Beamer) beschränken, sondern muss sich auch fundamental in der didaktischen Methodik niederschlagen. Die neuen Möglichkeiten, die digitale Geräte bieten, müssen daher auch tatsächlich im Unterricht sinnvoll genutzt werden: Etwa durch individuelle Recherchearbeiten im Internet oder neue Formen des Coworkings an gemeinsamen Projekten. Auch traditionelle Methoden der Leistungserhebung sollten überdacht werden: Statt weiterhin nur stumpf auswendig gelerntes Wissen auf Papier oder durch Ausfragen zu testen, könnten auch hier neue, digitale Wege – auch unter bewusster Zuhilfenahme des Internets – beschritten werden, die z.B. Methodenkenntnisse erfordern. Dies muss bereits im  Lehramtsstudium bzw. über entsprechende Fortbildungen vermittelt werden.
  3.  Der Distanzunterricht über digitale Medien ist für die FDP keine freiwillige Veranstaltung, sondern dem Präsenzunterricht an der Schule gleichgestellt, muss dementsprechend gefördert und ausgebaut werden und auch schwierige häusliche Voraussetzungen der Schülerinnen und Schüler ausgleichen, um die Chancengerechtigkeit zu gewährleisten. Dazu braucht es ein Online Unterrichtsgesetz mit klaren Regeln, professionell eingerichtete und gewartete digitale Endgeräte für jeden Schüler und Lehrer und weitere  Unterstützungsangebote wie beispielsweise zusätzliche Kurse , um inhaltliche  Lücken gezielt zu schließen. Um die engagierten Lehrkräfte zu schützen, sind vom Kultusministerium für den Distanzunterricht klare Arbeits- und Regenerationsphasen zu definieren. Auch bei Distanzunterricht ist  sicherzustellen, dass keine Schülerinnen und kein Schüler abgehängt wird oder verloren geht. Aufstieg durch Bildung ist und bleibt unser Ziel.
  4.  Ein gesetzlicher Rechtsanspruch auf ein digitales Endgerät für Schüler und  Lehrkräfte ist zu verankern.
  5.  Das Kultusministerium ist in Absprache mit dem Digital- und Finanzministerium –  wie im Projektmanagement üblich – aufgefordert, einen verbindlichen Zeit- und Kostenplan für die angekündigten Maßnahmen wie „BayernCloud Schule“ oder das darin integrierte „Schul-Youtube“ vorzulegen. Dieser „Digitalplan“ muss öffentlich einsehbar sein. Das Digitalministerium ist bei der umfassenden Aufgabe der schulischen Digitalisierung zwingend einzubeziehen. Weiterhin wird das Kultusministerium aufgefordert externe IT-Experten einzubeziehen, die den Aufbau der „BayernCloud Schule“ professionell begleiten. Über eine enge Partnerschaft zwischen Freistaat und Sachaufwandsträgern ist die IT- Infrastruktur aufzustellen.
  6.  Für die im Unterricht nutzbaren Kollaborationsplattformen gilt, dass diese im Gegensatz zur bisher angebotenen staatlichen Lernplattform mebis benutzerfreundlich und zuverlässig sein müssen und auch als Kommunikationsplattform nutzbar sind (d.h. Videokonferenz- und Chat-Tools sollen integriert sein). Auch hier gilt: Der Staat ist nicht der bessere Unternehmer.  Statt also komplett neue Plattformen aufzubauen, befürworten wir die Nutzung bestehender, privater Angebote. Datenschutz und Rechtssicherheit sind grundsätzlich zu gewährleisten. Die „Eigenverantwortliche Schule“ vor Ort  entscheidet selbständig, welche Kollaborationsplattformen sie nutzen möchte.
  7.  Eine einseitige Festlegung auf einzelne Anbieter wie Microsoft ist abzulehnen. Die FDP spricht sich für mehr Vielfalt und Wettbewerb aus. Dazu ist das Kultusministerium aufgefordert, transparente Kriterien als rechtlichen Rahmen zu definieren. Betreiber von Kollaborationsplattformen müssen deutschen und  europäischen Gesetzen unterliegen.
  8.  Um den Lehrkräften urheberrechtlich geschützte und fachlich fundierte Inhalte wie beispielsweise Lernvideos anbieten zu können, fordert die FDP, dass das Kultusministerium umgehend Gespräche mit Schulbuchverlagen sowie privaten Anbietern aufnimmt, damit diese über Rahmenverträge das „Schul-Youtube“ befüllen können. Darüber hinaus soll es externen Anbietern möglich sein, ihre Videos unter einer Creative Commons Lizenz dort zur Verfügung zu stellen. Der Austausch von „Best-practice Unterrichtsmaterial“ innerhalb der „BayernCloud Schule“ ist zu fördern.
  9.  Dienstliche E-Mails der Lehrkräfte sind einzurichten, aber nicht nach dem „Schema F“ von oben, sondern unter Mitsprache der Schule vor Ort und unter der Möglichkeit bereits etablierte schulische und datenschutzkonforme Systeme beizubehalten oder zu integrieren.
  10.  Die Wartung, Pflege und technische Systembetreuung der IT in der Schule soll grundsätzlich durch externes Fachpersonal umgesetzt werden. Die ersten Weichenstellungen zwischen Freistaat und Kommunen dazu begrüßen wir. Die  schulischen Systembetreuer haben so die Freiräume, um sich um die pädagogische Beratung und Unterstützung des Kollegiums beim Computereinsatz im Unterricht und  bei medienpädagogischen Fragen und der Durchführung von schulinterner Lehrerfortbildung zur unterrichtlichen Nutzung der IT-Infrastruktur zu kümmern.
  11.  Die Digitalisierung in der Lehreraus- und fortbildung ist weiter auszubauen und durch externen Input anderer Anbieter zu ergänzen. Nur auf das Multiplikatorenkonzept „Lehrer bilden Lehrer fort“ zu setzen, ist eine zu verengte Sichtweise. Darüber hinaus sind die Fortbildungsangebot  adressatenorientierter auszurichten, um jede Lehrkraft zu erreichen.
  12.  Zusammenschlüsse von Aufwandsträgern – wie etwa Zweckverbände -, die das Ziel der Digitalisierung von Bildungseinrichtungen verfolgen, sind durch den Freistaat Bayern besonders zu fördern. Auf diese Weise können Anreize geschaffen werden, um Synergien, – z.B. bei der Beschaffung von Endgeräten oder der Wartung der Hard- und Software an Schulen – zu heben.

 


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